Tirol ist das Kernrevier der Ostalpen fürs Motorrad: eine Dichte an Pässen, Gletscherstraßen und Hochtälern, wie sie kaum eine andere Region bietet. Das Inntal bildet die Achse, von der die Seitentäler mit ihren Mautstraßen abzweigen; im abgetrennten Süden liegt Osttirol als eigener Teilraum mit eigenen Zugängen. Dazu zwei Dinge, die hier die Streckenwahl mitbestimmen: die späte Passöffnung im Frühjahr und die Lärm-Fahrverbote für laute Maschinen. Was die einzelnen Ecken ausmacht, steht hier.
Das Inntal – die Achse und ihre echten Seitentäler

Das Inntal ist die verkehrsreiche Hauptschlagader Nordtirols, von der die interessanten Täler nach Süden abzweigen: das Ötztal, das Pitztal und das Sellraintal — alle drei entwässern zum Inn und enden hoch in den Ötztaler und Stubaier Alpen. Nach Osten öffnet sich das Zillertal, das als eigenes Revier eine eigene Seite hat und hier nur als Nachbar auftaucht. Talauswärts verlässt der Reschenpass ab Landeck das Oberinntal nach Süden in den Vinschgau, während Fernpass und Arlberg nach Norden und Westen hinausführen. Von einem Standquartier zwischen Imst, Telfs und Innsbruck erreicht man an einem Tag ein Dutzend Pässe. Das oft dazugezählte Lechtal gehört dagegen nicht ins Inntal-System — es entwässert zum Lech und wird weiter unten behandelt.
Die großen Jöcher – Timmelsjoch und Hahntennjoch

Zwei Namen stehen für Tirol. Das Timmelsjoch, die mautpflichtige Hochalpenstraße vom hinteren Ötztal über den Kamm nach Südtirol, zählt zu den höchsten und spektakulärsten Passfahrten der Ostalpen. Das Hahntennjoch zwischen Imst und dem Lechtal ist der schmale, kurvige Klassiker — zugleich die direkte Verbindung vom Inntal hinüber ins Außerfern. Jenseits der Grenze schließen auf Südtiroler Seite Jaufenpass und Penserjoch an, die üblichen Anschlüsse für die Weiterfahrt Richtung Sterzing und Bozen.
Gletscherstraßen ins Eis – Ötztal und Kaunertal

Zwei Sackgassen führen bis ans Eis. Die Ötztaler Gletscherstraße hinauf nach Sölden zum Rettenbachferner und die Kaunertaler Gletscherstraße sind mautpflichtige Stichstraßen, die auf über 2.700 Meter steigen — Hin-und-zurück-Strecken, deren Kehrenfolgen und Ausblicke den Umweg lohnen. Die Ötztaler zählt zu den höchsten asphaltierten Straßen Österreichs. Beide sind reine Ziel-Auffahrten: oben ist Schluss, gefahren wird dieselbe Kehrenreihe wieder hinunter.
Sellrain und Kühtai – die Höhenquerung

Anders als die Gletscher-Sackgassen ist das Kühtai keine Stichstraße, sondern eine Durchgangsstrecke. Von Kematen bei Innsbruck zieht sich die Straße durchs Sellraintal hinauf über den Sattel und auf der Gegenseite nach Oetz ins Ötztal hinunter. Kühtai liegt dabei als eines der höchstgelegenen Dörfer Österreichs auf gut 2.000 Metern am Scheitelpunkt — die logische Klammer zwischen Sellrain und Ötztal, nicht eine weitere Auffahrt ins Nichts.
Der Brenner – das Tor nach Süden

Durchs Wipptal südlich von Innsbruck führt der Brenner nach Sterzing — die klassische Nord-Süd-Achse und der niedrigste der großen Alpenübergänge. Wer den Verkehr der Brennerautobahn meiden will, nimmt die alte Brennerstraße (B182), die parallel zur Autobahn verläuft und über weite Strecken eine ruhige, gut zu fahrende Passstraße ist. Der Brenner ist das Tor nach Südtirol und weiter in die Dolomiten.
Achensee und Achenpass – Wasser im Unterinntal

Im Unterinntal zwischen Karwendel und Rofan liegt der Achensee, der größte See Tirols — von Jenbach geht es in Kehren aus dem Tal hinauf ans Ufer. Nach Norden setzt sich die Strecke über Achenkirch und den Achenpass über die Grenze nach Bayern zum Tegernsee fort, ein beliebter Übergang für die An- und Abreise aus dem Münchner Raum.
Kitzbüheler Alpen – Pass Thurn und Horn-Straße

Im Osten Nordtirols verbindet der Pass Thurn den Raum Kitzbühel mit Mittersill und dem Salzburger Pinzgau — der übliche Übergang hinüber ins Nachbarland. Direkt bei Kitzbühel führt die mautpflichtige Kitzbüheler-Horn-Panoramastraße auf den Hausberg hinauf, eine kurze, steile Auffahrt mit weitem Blick über die Kitzbüheler Alpen und den Alpenhauptkamm.
Das Außerfern – Lechtal, Tannheimer Tal und der Fernpass

Die Nordwest-Ecke Tirols jenseits des Fernpasses bildet das Außerfern rund um Reutte. Hierher gehört das Lechtal: Es entwässert zum Lech, nicht zum Inn, und ist vom Inntal aus nur über das Hahntennjoch ab Imst oder über Fernpass und Reutte zu erreichen. Weiter nordwestlich liegt das Tannheimer Tal, ein weites, hoch gelegenes Talbecken mit Anschluss nach Bayern. Der Fernpass selbst (B179) ist die Hauptverbindung vom Oberinntal Richtung Reutte und weiter nach Garmisch — als Transitachse allerdings oft dicht.
Lärm-Fahrverbote – vor der Reise prüfen

Ein Punkt, der Tirol von anderen Alpenregionen unterscheidet: Auf einzelnen Strecken gelten Fahrverbote für besonders laute Motorräder — Maschinen oberhalb eines festgelegten Standgeräuschwerts dürfen dort nicht fahren, kontrolliert wird mit empfindlichen Strafen. Der Schwerpunkt dieser Sperren liegt seit Jahren im Außerfern, also genau in der eben beschriebenen Ecke rund um Reutte, Hahntennjoch und Fernpass. Welche Straßen konkret betroffen sind und welcher Grenzwert gilt, wird jährlich neu verordnet und ändert sich — wer nach Tirol fährt, prüft die aktuelle Verordnung und das Standgeräusch der eigenen Maschine vor der Anreise. Das ist keine Schikane, sondern eine Rahmenbedingung, die man einplanen muss.
Osttirol – der abgetrennte Süden

Osttirol hängt geografisch nicht mit Nordtirol zusammen — dazwischen liegen Südtirol und das Salzburger Land. Die wichtigste ganzjährige Verbindung ist der Felbertauerntunnel, eine Mautröhre von Mittersill im Pinzgau hinüber nach Matrei und weiter nach Lienz. Von hier erschließen sich eigene Hochstrecken: der Staller Sattel, eine ampelgeregelte Einbahn-Mautstraße aus dem Defereggental nach Antholz in Südtirol, und die Auffahrt zum Großglockner von der Kalser Seite — die mautpflichtige Kalser Glocknerstraße hinauf zum Lucknerhaus, nicht zu verwechseln mit der bekannten Großglockner-Hochalpenstraße im Nachbarland.
Passöffnung und Nachbarn – Timing und Anschluss
Die hohen Pässe und alle Gletscherstraßen sind im Winter gesperrt und öffnen je nach Schneelage oft erst spät im Frühjahr — vor einer frühen Tour gehört der Blick auf die aktuellen Öffnungstermine. Rundum schließen die Nachbarreviere an: Vorarlberg mit Silvretta und Arlberg im Westen, Südtirol mit Stilfser Joch und Dolomiten im Süden, das Salzburger Land und Kärnten mit der Großglockner-Hochalpenstraße im Osten, dazu Bayern im Norden. Tirol liegt im Zentrum — von hier führt in jede Richtung ein Pass hinaus.